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Weitergehen

Nun ist es soweit! In dieser Woche wird – von den einen sehnlichst und von anderen mit Sorge erwartet – der „Shutdown“ des sozialen Lebens in Deutschland ein erstes Stück weit aufgehoben. Doch was bedeutet das für mich? Möchte ich möglichst schnell zurückkehren in mein gewohntes Leben?

Einen Monat lang habe ich nun schon die U-Bahn gemieden und bin frühmorgens eine Stunde – einmal quer durch Berlins Mitte – zur Arbeit gelaufen. Im Gehen durch die menschenleeren Straßen beschäftigte mich die Verwobenheit aller Dinge: Mehr Sicherheit fordert ihren Preis wie auch mehr Freiheit, im Weniger kann ein bedeutsames Mehr stecken, in der Enge eine Weite, in der Entschleunigung eine Tiefe, hinter dem Lärm der Stadt eine lebendige Stille, und hinter äußerlicher Stille allergrößte Not, die unbemerkt wächst und wächst…

Die Corona-Krise hat meinen Blick für hintergründige Wirklichkeiten sensibilisiert. Aber auch, wieviel jede Umsicht „im Kleinen“ bedeutet, war mir lange nicht mehr so fühlbar gewesen.

Lieber Gott, ich brauche Dich, um diese gewachsene Achtsamkeit zu bewahren. Die heutige Tageslosung macht hierzu durch Worte des Kirchenmusikers Christian Gregor Mut:

„So gehen wir durch Gottes Macht einher in seiner Stärke, 
die uns bewahrt und fähig macht zu allem guten Werke.“

Ja, darauf möchte ich in der nun beginnenden Zeit besonders vertrauen: Dass ich in Deiner Stärke gehen kann– nicht einfach zurück in mein gewohntes Leben, sondern weitergehen.

Anne C. Weihe, Lazarus Haus Berlin

Foto: © Christophe Gateau