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Willkommen – gelebte Jahreslosung an einem ganz besonderen Tag!

117. Lobetaler Jahresfest am 19. Juni zog tausende Besucherinnen und Besucher an / bewegender Festgottesdienst, stimmungsvolle Bühnenprogramme, viele Stände, Treffpunkte und Begegnungen 

Jeder und jede ging an diesem heißen Junisonntag etwas anders mit den tropischen Temperaturen um, aber einig war man sich hundertprozentig in der Freude darüber, dass die „Zeit des Darbens“ – zwei Jahre ohne so ein Jahresfest – vorüber war und man sich bei bester Stimmung im weitläufigen Lobetaler Areal begegnen konnte.

Schon vor dem offiziellen Start mit dem Festgottesdienst an der Waldkirche zogen die wie an einer Perlenschnur aufgereihten Stände das Publikum an. Anne Karas vom Betrieblichen Gesundheitsmanagement der Stiftung verteilte dort eifrig Blätter, auf denen zum entspannenden Waldbaden bei einer Runde rund um den Mechesee eingeladen wurden – viele Gäste ließen auf so einem Spaziergang auch gleich noch ein kühlendes Bad im See folgen.

Einige Meter weiter war Petra Bartel von der Bio-Gärtnerei schon beim Fachsimpeln mit einer Kundin, welche der leckeren Gemüsesorten man denn am besten wie verarbeiten sollte. „Ist ja die letzte Woche für den Spargel. Möhren und Kohlrabi und vieles andere gibt es ja auch nach Johanni noch“, erläuterte die Fachfrau. Mit regelmäßigen Wasser-Sprühstößen wurde die vitaminreiche Kost frisch gehalten, an den gegenüberliegenden prächtigen Blumen- und Pflanzenständen des Zierpflanzenbaus wurde mehrfach zwischendurch gegossen.

Derweil war Sylvia Pyrlik an ihrem Stand der Bernauer Buchhandlung „Schatzinsel“ noch mit der richtigen Positionierung ihrer Bücher und Kunstpostkarten beschäftigt. „Wir sind schon lange bei den Jahresfesten in Lobetal dabei. Nach zwei Jahren Coronapause ist es ein wenig so, als käme man endlich wieder nach Hause“, freute sie sich. 

Zu früher Stunde und eiligen Schrittes zur Eröffnung unterwegs: Bernaus Bürgermeister André Stahl, dem trotz der an diesem Tag stattfindenden Wahlen in seiner Stadt der Abstecher nach Lobetal wichtig war.

Vielfältiges „Willkommen“ 

Im Halbrund der Waldkirche nahmen ab 10 Uhr mehrere Hundert Gäste am Festgottesdienst teil. Pastor Ulrich Pohl, Vorstandsvorsitzender der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, stellte in seiner Predigt die aus Anlass des Festes verteilten, mit einem „Willkommen“ versehenen keramischen Mini-Fußabdrücke in den Zusammenhang zu den Fußspuren, die Jesus bei den Menschen hinterlassen hatte. Ausnahmslos alle heiße Gott willkommen –  ein Anspruch, den auch der Lobetaler Gründervater Friedrich v. Bodelschwingh der Stiftung mitgegeben habe. Auch die Lobetaler Christenlehrekindern nahmen das Thema auf und setzten in ihrem Anspiel Probleme in der Akzeptanz des oder der „Anderen“ szenisch um.

Hier fühlt man sich wohl

Laura-Sophie Franz vom Therapeutischen Jugendwohnen Barnim fühlt sich dort, wie sie im Gottesdienst sagte, willkommen, weil ihre Probleme ernst genommen und jeder unabhängig von Ethnie, Religion, Sprache, Geschlecht oder Charakter akzeptiert werde und Hilfe erhalte.

Den von der Theologischen Geschäftsführerin Andrea Wagner-Pinggéra eröffneten Festgottesdienst schloss Geschäftsführer Martin Wulff mit herzlichen Grüßen an alle prominenten Teilnehmenden und sonstigen Gäste ab und übergab das Grußwort an die anwesenden Vizepräsidentinnen von Bundestag und Landtag. 

Petra Pau erinnerte an die Losung „Einer trage des anderen Last“: „Zum Schluss geht es immer darum, miteinander umzugehen. Mein Dank an alle, die für andere da sind und dafür, wie hier in Lobetal bewusst und auch in zugespitzten Situationen ein ganz besonderes Willkommen gelebt wird.“ Sie wünsche sich, so die Bundestagsabgeordnete der Linken, dass dieses Credo noch bekannter werde und helfe, keine Einteilung von Geflüchteten in solche erster, zweiter oder dritter Klasse zuzulassen.

Barbara Riechstein, für die SPD im Präsidium des Brandenburgischen Landtages, beglückwünschte die Stiftung zu ihrem 117. Jahresfest und dankte für das umfassende soziale Engagement unter ihrem Dach. Sie verwies insbesondere auf die Ukraine-Hilfe und deren langjährige und seit Februar ausgebaute Hilfe für die Menschen in dem südosteuropäischen Land und die damit verbundenen „vielen Momente des kleinen Glücks“, die man so dort ermögliche.

Lecker und handgemacht

Ob am Stand von „Lobetalerl Bio“ mit Frozen Yogurt, an den Verpflegungsständen auf der Festwiese, wo es zum Beispiel leckere Kartoffeln mit Kräuterquark gab, ob am Bratwurstgrill oder den zahlreichen Verkaufsständen für Waffeln, Kuchen, Kaffee und Kaltgetränke – überall war der Zuspruch groß in den folgenden Stunden. Besonders kalte Getränke waren schon vor dem Veranstaltungsende ausverkauft, aber hungrig oder durstig ging niemand nach Hause.

Und trotz der gerade über die Mittags- und frühen Nachmittagsstunden großen Hitze war nicht nur Ess- und Trinkbares gut nachgefragt. Für den Christopherus-Hof verkauften Julian Tyrach und Luis Begehr Selbstgefertigtes – vor allem Ablagen aus Holz in Katzen-Anmutung fanden schnell Kunden. Für das Haus Horeb boten Jana Wünsch und Jörg Hampel Keramik an – schon kurz nach dem Mittag waren alle Pausentassen in Übergröße bereits verkauft. Aber auch Tierfiguren wie Enten, Schnecken und Frösche lagen im Trend.

Am Tisch der Jugendhilfe bemalte man Taschen und Steine – und nahm ganz nebenbei den Hinweis auf das Konzert „Rockende Eiche“ im "Kulti Biesenthal" am 20. August mit. Heike Bratfisch und Babette Hollop vom Bereich „Beschäftigung und Bildung“ in der Seniorentagesstätte „Alte Wäscherei“ boten spannenden Tischschmuck zum Wachs-Sammeln an. An gleich mehreren Ständen, unter anderem auch an der Bühne, konnte man zum kleinen Preis Bücher, DVD und CD mitnehmen.

Sich selbst und andern Gutes tun

Auch der Lions-Club „Wandlitz-Barnimer Land“ war mit zahlreichen Verkaufsobjekten angereist. „Wir tragen elektronische und andere Geräte und Gebrauchtwaren übers Jahr zusammen, um sie hier für kleines Geld anzubieten, das wir zur Unterstützung der Arbeit im Rüdnitzer `Wendepunkt´ weitergeben“, erläuterte Kathrin Wienhold. Schon viele Jahre sei man hier mit von der Partie, und man sei sich einig, auch weiterhin diese so wichtige therapeutische Jugendhilfeeinrichtung aktiv zu unterstützen.

Am Stand des Diakonischen Bildungszentrums Lobetal freuten sich Heike Lehmann und ihre Kolleginnen und Kollegen nicht nur über das Interesse des Publikums für die hier angebotenen Ausbildungsrichtungen. „Sehr viele ehemalige Absolventinnen und Absolventen der Schule haben uns heute besucht, fast so etwas wie ein kleines Ehemaligentreffen“, schmunzelte sie. Und sie freute sich darüber, wie viele ehemalige Schülerinnen und Schüler aus Lobetal am Stand über ihren erfolgreichen beruflichen Weg in nur kurzer Zeit berichten konnten.

Die weiteste Anfahrt zum Lobetaler Jahresfest hatte offensichtlich „Friedrich – das Infomobil“ aus Bielefeld. Karin Bormann-Voss und ihr Kollege waren selbst ohne größere Staus knapp sieben Stunden bis nach Brandenburg unterwegs gewesen. Beide freuten sich deswegen ganz besonders über den großen Zuspruch, den das tiefblaue Frage-und-Antwort-Mobil fand. „Viele Besucherinnen und Besucher bewiesen, dass sie nicht nur großes Interesse an der Arbeit Bethels, sondern auch beträchtliche Kenntnisse dazu haben“, freute sich die Diakonin.

Laufendes Musikprogramm

Das kulturelle Angebot: Von Ehrenamtschef Lutz Reimann organisiert und moderiert wechselten sich auf der Festbühne die unterschiedlichsten Ensembles und Stilrichtungen ab. Etwas ganz Besonderes: der augenblinzelnde Auftritt von „FunFare“, der auf dem Dorfplatz mit Beatles- und anderen Interpretationen auf Banjo, Tuba und Trompete startete und das Publikum fast unmerklich auf eine rhythmische Weltmusik-Wanderung bis zur Waldkirche mitnahm. Wo dann das folgende offene Singen noch einmal bewies, dass der Tag für viele nicht nur ein Fest zum Zuschauen, Zuhören, Einkaufen und Essen war, sondern auch zum Mitmachen.

Es sei erwähnt, dass auch Angebote wie Führungen durch Lobetal und offene Häuser ihre Teilnehmer fanden, wenngleich die hohen Temperaturen sicherlich so manche von längeren Wanderungen abhielten. Da half dem einen oder der anderen konditionell auch der Besuch des Filmes „Honecker und der Pastor“ an kühlerem Ort.

Zum Ende der Veranstaltung, kurz bevor die ersten Schauer niedergingen. waren sich wohl die Besucherinnen und Besucher und auch die Organisatoren in einem vollständig einig: Bei allen den schönen Erlebnissen und Begegnungen des Tages beginnt schon jetzt die Vorfreude auf das 118. Jahresfest der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal am 18. Juni 2023! Auf ein Wiedersehen! Auf bald in Lobetal!

Andreas Gerlof