Rückblick auf eine Woche des Gedenkens…
Der 27. Januar war Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus.
Wir blicken zurück auf verschiedene Veranstaltungen, die wir mitgestaltet und begleitet haben.
26. Januar Abgeordnetenhaus in Berlin
Schülerinnen und Schüler der Lazarus-Schulen: Gedanken. Erinnern. Haltung zeigen im HIER und JETZT!
Am Vorabend des Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus (26.1.) präsentierten 200 engagierte Schüler*innen aus 24 Berliner Schulen ihre Ausstellungsprojekte im Abgeordnetenhaus.
Ihr zentrales Thema: Gedenken, erinnern und Haltung zeigen – gegen Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung im HIER und JETZT.
Mit dabei waren ein Dutzend angehende Sozialassistent*innen der Lazarus-Schulen. Schülerin Anne-Sophie fasste das Projekt so zusammen: „Was verbinden wir mit dem Nationalsozialismus? Wir haben herausgefunden: Jeder hat seine eigene Geschichte mit der Familie, mit Freunden. Was sagt mir diese Vergangenheit für meine Gegenwart und Zukunft? Die Spuren führten zu Urgroßeltern, an Orte der Vergangenheit mit spannenden Entdeckungen. Die Ergebnisse dieser Auseinandersetzung präsentieren wir in diesem Projekt.“
In ihrer Eröffnungsrede betonte Cornelia Seibeld, Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin: „Ich bin stolz, wenn ich das Engagement der jungen Menschen sehe. Das zeigt das Interesse, Zukunft zu gestalten. Das gibt mir Hoffnung. (...) Erinnern und Gedenken ist keine Angelegenheit der Vergangenheit. Erinnern ist eine Frage der Haltung im Hier und Heute. Das kommt in den Projekten zum Ausdruck.“
Ein besonderer Gast des Abends war die Schoah-Überlebende Ruth Winkelmann. Ihr Anliegen bewegt bis heute: „Ich finde es so wunderbar, wenn sich so viele junge Menschen für dieses Thema interessieren. Der Mensch ist das Wichtigste, nicht die Religionen. Wenn wir das durchschauen könnten, dann wären wir eine ganze Menge weiter.“
Das Engagement dieser jungen Menschen ist unendlich wertvoll – ein starkes Statement dafür, dass Menschlichkeit Zukunft hat. Wir sagen aufrichtig DANKE!
https://www.lobetal.de/aktuelles/meldungen/1289-rueckblick-auf-eine-woche-des-gedenkens#sigProId4b36b67c7b
27. Januar in Lobetal
Gedenken in Lobetal. Wir erinnern in Lobetal. Heute ist: NIE WIEDER
20 Männer und Frauen aus Lobetal und seiner Standorte wurden durch das Nazi Regime in den Jahren 1942 und 1943 hingerichtet. Es war Menschen jüdischer Herkunft. Und es waren Homosexuelle.
50 Menschen haben sich versammelt, um Rosen niederzulegen. Darunter 20 Schülerinnen und Schüler der diakonischen Schulen Lobetal. In der Lobetaler Kirche fand zuvor eine Andacht statt.
Zitate
Melanie Beiner, Theologische Geschäftsführerin der Stiftung sagte: Gerade in dieser Zeit ist es wichtig,
- sich an die Ermordung van Jüdinnen und Juden zu erinnern,
- daran zu erinnern, wie eine Gesellschaft sich schleichend und doch sehenden Auges in ein Unrechtssystem verwandeln kann,
- daran zu erinnern an das, wie Menschenverachtung mit dem Anschein der Normalität Eingang in Verwaltungsakte und Vorschriften gefunden hat, in Listen und Verzeichnissen.
Es ist unsere Verantwortung, dafür einzutreten, unsere Kinder zur Menschlichkeit zu bilden und unsere Gesellschaft zur Gerechtigkeit zu entwickeln. Wir haben es in der Hand - jeden Tag.
André Stahl, Bürgermeister von Bernau
„Gerade in Zeiten wie diesen, in denen Gewalt immer häufiger als Mittel politischer Auseinandersetzung eingesetzt wird, müssen wir entschlossen an einer standhaften Demokratie festhalten. Eine Demokratie, die weder ausgehöhlt noch infrage gestellt werden darf", so André Stahl.
Andreas Büttner, Antisemitismusbeauftragter des Landes Brandenburg
Gerade Orte wie Lobetal stehen für Menschlichkeit, Fürsorge und Würde. Und genau deshalb ist das Gedenken hier von besonderer Bedeutung. Denn die nationalsozialistische Ideologie richtete sich nicht nur gegen Jüdinnen und Juden, sondern auch gegen Menschen mit Behinderungen, gegen Kranke, gegen all jene, die nicht in das mörderische Weltbild der Täter passten. Das macht diesen Ort zu einem wichtigen Ort der Mahnung – und der Verantwortung.
Erinnerung ist kein Blick zurück aus sicherer Distanz. Sie ist Auftrag für die Gegenwart. Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit sind auch heute Realität. Sie beginnen oft leise, mit Worten, mit Ausgrenzung, mit dem Infragestellen der Würde anderer. Umso wichtiger ist es, dass wir ihnen entschieden entgegentreten – gemeinsam, klar und ohne Relativierungen.
https://www.lobetal.de/aktuelles/meldungen/1289-rueckblick-auf-eine-woche-des-gedenkens#sigProId379e47f7eb
28. Januar Gedenkstätte für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde in der Tiergartenstraße
Kranzniederlegung an der Gedenkstätte für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde in der Tiergartenstraße
Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, erinnerte am 28. Januar an die mehr als 200.000 Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen sowie psychischen Erkrankungen, die im Nationalsozialismus als „lebensunwertes Leben“ diffamiert und systematisch ermordet wurden.
Für uns in der Stiftung ist dieses Gedenken tief in der Stiftung verankert. Pastor Paul Braune (1887-1954), Leiter der Hoffnungstaler Anstalten macht diese Euthanasiemorde am 9. Juli 1940 öffentlich. Er übergibt die Euthanasie - Denkschrift: „Betrifft: Planwirtschaftliche Verlegung von Insassen der Heil- und Pflegeanstalten“ an die Reichskanzlei in der Berliner Wilhelmstraße. Er hatte sie in enger Abstimmung mit Fritz v. Bodelschwingh (1877-1946), Anstaltsleiter von Bethel, verfasst, mit dem er eng verbunden war.
Die Schrift enthielt seitenlange erschütternde Details. Menschen mit Behinderungen, mit psychischen Erkrankungen werden abgeholt, in andere Einrichtungen gebracht und leben dort nicht mehr lange. Sie wurden ermordet.
Die Getöteten waren Zielscheibe der „Aktion T4“, dem Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten, das im September 1939 begonnen wurde.
Jürgen Dusel rief eindringlich dazu auf, dem Wiederaufkeimen menschenfeindlicher Ideologien und antidemokratischer Parteien, die Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderung unterminieren, konsequent entgegenzutreten.
Niemals vergessen steht auf dem Kranz unserer Stiftung. Nie wieder ist JETZT. Nie wieder ist MORGEN und ÜBERMORGEN.
https://www.lobetal.de/aktuelles/meldungen/1289-rueckblick-auf-eine-woche-des-gedenkens#sigProId5516bbd057
