Was digitale Räume mit Demokratie zu tun haben – Drei Gedanken von der re:publica 2026

Viele Themen, die uns im Rahmen unserer Initiative „Demokratie stärken“ beschäftigen, werden heute auch in digitalen Räumen verhandelt: Beteiligung, Information, gesellschaftlicher Zusammenhalt und der Umgang mit unterschiedlichen Meinungen. Auf der re:publica 2026 – einem der größten Festivals für die digitale Gesellschaft in Europa – gab es dazu zahlreiche Impulse. Drei Gedanken habe ich besonders mitgenommen.
„Die Verantwortung muss die Seite wechseln.“
Mit diesem Satz brachte der Jurist Chan-jo Jun eine Debatte auf den Punkt, die aktuell an vielen Stellen geführt wird.
Wenn es um Hassrede, Desinformation oder problematische Inhalte geht, richtet sich der Blick häufig auf einzelne Nutzerinnen und Nutzer. Jun vertritt die Auffassung, dass die Verantwortung stärker bei den Plattformen liegen sollte, die Inhalte verbreiten, Reichweiten erzeugen und damit digitale Debatten maßgeblich beeinflussen.
Der Gedanke dahinter: Oft ist es schwierig, einzelne Aussagen eindeutig als wahr oder falsch einzuordnen. Deutlich greifbarer ist die Frage, welche Anreize Plattformen setzen und welche Inhalte ihre Systeme besonders sichtbar machen.
Bald wird „Ist das echt?“ noch wichtiger
Ein weiteres Thema zog sich durch viele Vorträge: Deepfakes und KI-generierte Inhalte.
Fotos, Videos und Stimmen lassen sich inzwischen so überzeugend erzeugen, dass Manipulationen immer schwerer zu erkennen sind. Dadurch gewinnt Medienkompetenz weiter an Bedeutung: Informationen prüfen, Quellen bewerten und Unsicherheiten aushalten zu können, wird zunehmend zu einer Schlüsselkompetenz.
Für unsere Arbeit ist das ein wichtiger Impuls. Künftig wird es nicht mehr nur darum gehen, Informationen zu finden, sondern auch ihre Glaubwürdigkeit einschätzen zu können.
Was machen soziale Medien mit unserem Miteinander?
Der Soziologe Nils Kumkar sprach vom „Gespenst der Polarisierung“: Über eine zunehmend gespaltene Gesellschaft wird viel gesprochen, empirisch ist diese Entwicklung jedoch oft weniger eindeutig, als angenommen.
Soziale Medien können dennoch den Eindruck starker Polarisierung verstärken. Wo viele Menschen gleichzeitig kommunizieren, setzen sich häufig zugespitzte Positionen und klare Gegensätze durch.
Für unsere Initiative „Demokratie stärken“ ist das ein wichtiger Gedanke. Denn demokratische Kultur entsteht dort, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen, unterschiedliche Perspektiven kennenlernen und Gemeinsamkeiten entdecken.
Begegnungen und neue Perspektiven
Neben den Vorträgen gab es zahlreiche Projekte und Initiativen zu entdecken, darunter die Demokratie-Landkarte von Democracy Intelligence, ToneShift als Initiative gegen Hass im Netz sowie die Arolsen Archives, die historische Bildungsarbeit mit digitalen Formaten verbinden.
Mindestens genauso wertvoll waren die Gespräche mit Menschen aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Bildung, Medien, Politik und Unternehmen. Gerade dieser Austausch eröffnet neue Perspektiven, macht bestehende Projekte sichtbar und schafft Verbindungen über die eigene Organisation hinaus.
Fazit
Die re:publica hat einmal mehr gezeigt, dass viele gesellschaftliche Fragen heute untrennbar mit digitalen Entwicklungen verbunden sind.
Für unsere Initiative „Demokratie stärken“ nehme ich vor allem drei Impulse mit: die Frage nach Verantwortung in digitalen Räumen, den bewussten Umgang mit Informationen und die Bedeutung von Dialog in einer zunehmend digitalen Öffentlichkeit.
Denn Demokratie lebt davon, dass Menschen informiert handeln können, unterschiedliche Perspektiven respektieren und Möglichkeiten haben, sich einzubringen und mitzugestalten – im digitalen Raum ebenso wie im persönlichen Miteinander.
Mehr zu unserer Initiative Demokratie stärken lesen Sie hier.
Victor Nagel
