121 Jahre Hoffnungstaler Stiftung Lobetal - Wie 1905 alles begann
Der Betheler Anstaltsleiter Friedrich von Bodelschwingh (1831-1910) hat sich am 20.11.1903 in das Preußische Abgeordnetenhaus wählen lassen und begann am 16.01.1904 seine Amtszeit. In Berlin sah er sich mit dem Problem der Arbeits- und Obdachlosigkeit konfrontiert und wollte diesem Problem durch die Gründung von Arbeiterkolonien, in denen Obdachlose gegen Arbeit eine Unterkunft, Verpflegung und ein kleines Taschengeld bekamen, entgegenwirken. Auf dem Gebiet hat er bereits Erfahrungen in der Anstalt Bethel gesammelt.
Sein Sohn Gustav schrieb in der Biografie über seinen Vater, dass die konkrete Idee hierfür im November des Jahres 1904 beim Besuch des Obdachlosenasyls "Die Palme" in Berlin entstanden sei.
Bodelschwingh organisierte die Gründung des Vereins im März des folgenden Jahres. Der genaue Ablauf der Gründung lässt sich aus einer Einladung vom 21. März entnehmen. Aus der Einladung geht hervor, dass die Gründungsversammlung für den 28. März 1905 abends um 8 Uhr im Haus der Abgeordneten in Berlin angesetzt war.
|
|
Die Tagesordnung besteht aus der Vorlage der Satzung, der Entgegennahme von Beitrittserklärungen, der Bestellung des Vorstandes sowie der ersten Sitzung des Vorstandes.
Der Inhalt der Satzung sind der Zweck, Sitz und die Rechtsform, die Bereitstellung des Vereinsvermögens, die Mitgliedschaft, die Vereinsorgane sowie Regelungen zur Abänderung der Satzung und Auflösung des Vereins. Spannend ist, dass der Verein Hoffnungstal in der Satzung zunächst versehentlich „Stiftung Hoffnungsthal“ genannt wurde.
![]() |
![]() |
|
In Berlin lernte Friedrich v. Bodelschwingh das Städtische Obdach "Palme" kennen. Diese war von 1886 bis 1940 Berlins größte Notunterkunft für Wohnungslose im Prenzlauer Berg, und bot Platz für über 5.000 Personen. |
|
In der im Anschluss folgenden Vorstandssitzung wurden die Ämter gewählt und ein erster Vertragsentwurf mit der Stadt Berlin vorgelegt. Ebenfalls wurde sich für die erste Arbeiterkolonie auf den Namen „Hoffnungstal“ geeinigt.
![]() |
|
Damit waren wichtige Voraussetzungen zur Aufnahme der Arbeit in den Arbeiterkolonien erfüllt. Im Mai und Juni erfolgten die Eintragung im Vereinsregister, der erste Pachtvertrag und die Beauftragung von Gustav Lilienthal zum Bau der Baracken für die Unterkunft und die Gemeinschaftsräume. Am 18. Juli konnten die ersten neun Bewohner in der Kolonie Hoffnungstal aufgenommen werden. Zunächst wohnten sie in der ehemaligen Hofstelle des Bauerngutsbesitzers Kerkow. Im November erfolgte mit der Fertigstellung der ersten Baracke ein Umzug in die heutige Dorfstraße 31 in Rüdnitz. Darauf befindet sich heute die Einrichtung „Wendepunkt“. Bis zum Jahresende stieg die Zahl der Aufnahmen auf 83 Bewohner. 1906 fand das Vorhaben in Lobetal seine Fortsetzung.
Maximilian Beck, Mitarbeiter Stabsstelle Erinnerung und Geschichte



