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das Gold der Erde

Am 24.05.1756 erlässt Preußens König Friedrich II. an seine Beamten einen Befehl, mit dem Auftrag „denen Herrschaften und Unterthanen den Nutzen von Anpflantzung dieses Erd- Gewächses begreiflich zu machen, und denselben anzurathen, dass sie noch dieses Früh-Jahr die Pflantzung der Kartoffeln als einer sehr nahrhaften Speise unternehmen.“ Er hatte erkannt, dass dieses Nahrungsmittel helfen könnte, die Hungersnötige im Land zu mildern.

Kartoffeln wurde bereits vor ca. 8000 Jahren in Südamerika kultiviert. Im 16. Jahrhundert brachten spanische Seefahrer die Kartoffel nach Europa. Kurioserweise wurde die Kartoffel zunächst ob ihrer schönen Blüten bekannt. So soll die französische Königsgattin Marie Antoinette bei Bällen einen Kranz aus Kartoffelblüten im Haar getragen haben. Weil zunächst die oberirdischen Früchte der Kartoffel bei Verzehr oft Bauchschmerzen auslösten, erhielt diese Pflanze auch zeitweise den Ruf, sie sei giftig. Ein weiteres Problem bestand wohl auch darin, dass bei uns in Europa die Pflanze nicht wie in ihren Herkunftsregionen üblich die großen Knollen ausbildete. Die Ursache lag in den in Europa im Sommer herrschenden „langen Tagen“. Kartoffeln sind Nachschattengewächse und benötigten daher die in Amerika länger andauernden Zeiten mit Dunkelheit. Durch entsprechende Züchtungen und Kreuzungen konnte das Problem dann auch behoben werden. Dann stand dem Siegeszug dieser Pflanze nichts mehr im Wege. Schnell wurde in den unterschiedlichen Regionen Europas erkannt, dass die Kartoffel relativ leicht zu kultivieren war und als sehr nahrhafte Ergänzung des Speiseplanes der Bevölkerung zugänglich gemacht werden konnte. Zudem lässt sich die Kartoffel gut über den Winter lagern.

Aus meiner Kindheit kenne ich es noch, dass meine Großeltern im Herbst ihre „Einkellerungskartoffeln“ bestellten und/oder abholten. Für diese wurde im Keller ein eigens dafür vorgerichteter Verschlag vorgehalten. Diese Bevorratung hatte sicherlich auch noch eine mentale Bedeutung, hatte diese Generation doch noch richtigen Hunger am eigenen Leibe erfahren und Kartoffeln im Keller waren ein Garant für einen gefüllten Magen und boten somit Sicherheit. Dieser Keller bot nebenbei bemerkt auch noch weitere Annehmlichkeiten. In ihm wurden auch weitere Köstlichkeiten gelagert: das eingeweckte Kompott (Birnen, Äpfel, Erdbeeren und andere Früchte des Gartens), das eingeweckte Gemüse (grüne Bohnen, Kürbis), der Apfelmus, die selbstgemachten Marmeladen und die angesetzten Fruchtliköre. Und: Das Schälen der Kartoffeln war Opas Aufgabe (das ließ er sich auch nicht aus der Hand nehmen) und wurde zelebriert. Es gab einen extra Kartoffeleimer an einem speziellen Platz und geschält wurde, mit dem Eimer zwischen den Knien auf einem Stuhl sitzend am Fenster. Ich empfand es als Privileg, wenn ich die zu schälenden Kartoffeln aus dem Keller holen durfte. Später durfte ich dann auch manchmal die Kartoffeln schälen, allerdings unter Opa’s wachsamen Augen und es wurde genau darauf geachtet, dass nicht zu viel von der Schale weg und die schlechten Stellen so knapp wie möglich herausgeschnitten wurden. Die Kartoffelschalen bekamen dann Nachbars Kaninchen.

Die Kartoffel ist in ihren vielfältigen Zubereitungsvariationen aus unseren Küchen nicht mehr wegzudenken. Heute macht es mir und meiner Familie selbst Spass, die Saatkartoffeln in die Erde zu bringen und die Ergebnisse im Herbst selbst wieder aus den Boden zu holen…

Thomas Baunack