{Play}

Entschuldigung

„Ei entschuldige Sie, was mache Sie Drei hier eigentlich den ganze Taach…?“

Dieser kurze Radiospot einer bekannten Getränkemarke brachte mich, unabhängig von dem schwäbischen Dialekt, der Antwort der drei Herren auf diese Frage (die Herren meinten den Strand sauber zu machen) und dem darauf folgenden und bei Liebhabern von goldenem Gerstensaft wohlklingenden Geräusch, auf einen Gedanken: Was hat es mit dem „Entschuldigen“ eigentlich auf sich?

Wenn man das Wort mal auseinander nimmt kommt man der Sache näher: Man möchte sich von einer „Schuld“ „Ent“- ledigen. Manchmal nutzt man diese vermeintliche Bitte als Floskel um jemanden anzusprechen. Meist ist dieses Wort an jemanden Anderen gerichtet. Daher wäre die richtige Formulierung: Ich bitte um Entschuldigung! Aber wofür?

Unseren Kindern haben wir in das Hausaufgabenheft eine Entschuldigung für Fehlen oder nicht gemachte Aufgaben geschrieben. Wir entschuldigen uns für Fehler – sind aber Fehler nicht menschlich, bringen uns weiter, weil wir über diese nachdenken und sie beim nächsten Mal hoffentlich nicht mehr machen – müssen wir uns dafür entschuldigen?

Im oben genannten Beispiel entschuldigt sich ein Mann bei einer Gruppe von anderen Männern, dass er sie anspricht. Er möchte etwas wissen. Muss man sich dafür entschuldigen? Kann man nicht einfach fragen: Guten Tag, darf ich Sie mal etwas fragen? Man nimmt doch, indem man jemanden fragt, keine Schuld auf sich, oder? Was ist diese Schuld, derer man sich entledigen möchte und muss? Kann man sich Dieser einfach so entledigen? Ab wann ist eine Handlung so, dass man sich dafür entschuldigen muss?

Wir Christen wissen, dass Gott all unsere Schuld auf sich genommen hat, er ist dafür am Kreuz gestorben. Wir können beichten. Aber was ist mit der Schuld an Anderen? Kann mich denn ein Mitmensch von meiner Schuld freisprechen? Und: kann ich mich auch bei mir selbst entschuldigen, wenn ich merke, etwas was ich selbst für mich gemacht habe war nicht in Ordnung?

Ich glaube, dass das Wort „Entschuldigung“ viel zu oft und manchmal auch unbedacht gebraucht wird. Wir nutzen es, um uns für Dinge zu rechtfertigen, die wir, manchmal vermeintlich oder gefühlt, manchmal real, falsch gemacht haben oder anders, als es andere von uns erwarten. Für Verhaltensweisen muss ich mich nicht entschuldigen, wenn sie sich im Rahmen von Sitte, Moral und dem normalen Umgang bewegen.

Dieses Wort ist Bestandteil unserer Kultur – aber manchmal macht es auch Sinn, über den alltäglichen Gebrauch von Wörtern, welche wir täglich benutzen nachzudenken und sich dessen bewusst zu werden, was man eigentlich von sich gibt – bitte entschuldigen Sie meine Ausdrucksweise!!!

Thomas Baunack