Fachtag Gleichberechtigung: Mut zur „Not-to-do-Liste“ | Gewalt an Frauen und ihre Doppelbelastung – viele Themen und Gespräche am 9. März im Saal Alt Lobetal
Einen Tag nach dem Internationalen Frauentag 2026 hatte die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal zum „Fachtag Gleichberechtigung“ eingeladen. Das Interesse daran war groß.
Nach dem Frühstücksimbiss für Mitarbeiterinnen ab 9 Uhr waren zu den Vorträgen ab 10 Uhr auch Mitarbeiter willkommen. Theologische Geschäftsführerin Dr. Melanie Beiner eröffnete die Veranstaltung und betonte, dass es noch ein langer Weg bis zur vollständigen Gleichberechtigung von Frauen bevorstehe. Diese sei in keinem Land der Welt 100-prozentig umgesetzt. Umso wichtiger, dass die Stiftung sich das Thema auf die Fahnen geschrieben habe.
Gutes Gesetz, wichtige Werkzeuge
Anne-Luise Kitzerow-Manthey, Gleichstellungsbeauftragte der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal, überschrieb ihren Vortrag mit der Überschrift „Vielfalt und Respekt in der Arbeitswelt“. Im Fokus stand das im Jahr 2006 verabschiedete „Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz“ (AGG), das die Rahmenbedingungen auch für die Gleichberechtigung und Gleichbehandlung von Frauen setzt. Im Blick hatte sie, wie Schutzmechanismen gestärkt werden können.
Benachteiligung und Diskriminierung von Frauen - oder umfassender gesprochen von Geschlechtern - habe sichtbare und unsichtbare, verborgene Formen. Man müsse im Umgang damit immer den Schutz u n d die Stärkung der Frauen in den Mittelpunkt rücken. Das bedeute Rechte und Pflichten zugleich: Jede habe das Recht, ihre diesbezüglichen Beschwerden auch in der Stiftung anonym anzubringen, sollte dies aber auch als Pflicht sehen, um aktiv Verantwortung zu übernehmen. Sie wies darauf hin: „Ansprechen, Unterstützung holen und Haltung zeigen, das sind die wichtigsten Todo’s.“
Alarmierende Zahlen
Lydia Saffrin, Gewaltschutzbeauftragte der Stiftung, und Paula Gäbler; Psychologische Leitung der Wohnstätte in Ladeburg, rückten in ihrem Vortrag den Gewaltschutz in den Mittelpunkt. Sie stellten anhand verschiedener Studien dar, dass Gewalt gegen Frauen ein Thema in Deutschland ist. Allein 50.000 Frauen werden jährlich Opfer sexualisierter Gewalt in der Bundesrepublik, wobei diese Zahl nur angezeigte Fälle widerspiegelt. Vor allem die psychische Gewalt habe am meisten Verbreitung. Gewalt in der Pflege bleibt häufig unerkannt, sie beinhalte oft auch eine finanzielle Ausbeutung. Die Vortragenden stellten das Netzwerk des LKA Berlin „Aktiv gegen Gewalt“ und weitere Ansprechpartner vor, an die sich Betroffene und Angehörige wenden können. Die Diakonie habe sich mit dem Gewaltthema intensiv beschäftigt. Regelmäßig Schulungen unterstützen beim Erkennen und beim Umgang mit diesem Thema. Auch innerhalb der Stiftung sind in den Geschäftsbereichen Schulungen verpflichtend.
Wie mit Belastungen umgehen
Im Gastvortrag erläuterte Wissenschaftlerin und Autorin Susanne Mierau, warum Frauen auch im Jahr 2026 Zeiten noch den Löwenanteil der Alltagslast, also der unbezahlten und der Care-Arbeit, in der Gesellschaft zu tragen hätten. An zahlreichen Beispielen machte sie deutlich, dass die Doppelbelastung in Familie und Arbeit fortbesteht, was deren körperliche, aber auch und vor allem mentale und emotionale Aspekte betrifft. Frauen sollten ihre daraus entstehenden belastenden Gefühle nicht unterdrücken und sich schon gar nicht einreden lassen, mit dem „Märchen Multitasking“ werden sich schon Lösungen finden lassen.
Immer noch sei es bspw. üblich, wenn Probleme bei den Kindern auftreten, zu sagen: „Das hat Mama wohl nicht hinbekommen.“ Sie zeigte Wege auf, wie Betroffene gegen Überbelastung, mentales Unwohlsein, aktiv werden und sich im Alltag regulieren können. Ein erster Schritt sei Transparenz zu schaffen und die Aufgaben sichtbar zu machen und Komplexität zu verringern. Auch eine „Not-to- do- Liste“ kann helfen. Eine „unterstützende Teamkultur für Frauen“, eine Verteilung von Aufgaben beruflich wie auch privat nehme den Druck heraus und stärke alle Beteiligten. Das helfe Erschöpfungszustände bis zum Burnout vermeiden.
Das Angebot, im Anschluss miteinander ins Gespräch zu kommen und an Pinnwänden ihre Anregungen zu den Themen deutlich zu machen wurde gerne genutzt.
https://www.lobetal.de/aktuelles/meldungen/1294-fachtag-gleichberechtigung-mut-zur-not-to-do-liste-gewalt-an-frauen-und-ihre-doppelbelastung-viele-themen-und-gespraeche-am-9-maerz-im-saal-alt-lobetal#sigProId03dbcfe9dc
Fazit: Der Fachtag zeigte: Sonntagsreden bringen Gleichberechtigung nicht voran. Es bleibt auch für die Stiftung ein tägliches Todo. Schutz, Stärkung und Beteiligung von Frauen sind das Dreigestirn. Sie brauchen klare Strukturen, offene Kommunikation und gegenseitige Unterstützung.
Andreas Gerlof
