{Play}

Gemeinschaft verwirklichen

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

das vorliegende Leitbild will Orien­tierung für unsere tägliche Arbeit in allen Einrichtungen und Diensten sein – so verschieden sie auch sein mag. Wir alle sind verbunden durch die Aufgaben der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal, die sich ihrer Satzung entsprechend richten an Men­schen, deren Persönlichkeit geachtet, deren Entwicklung ge­fördert und deren durch Alter, Krankheit oder Behinderung erschwerte Lebenssituation mitgetragen und soweit als mög­lich normalisiert werden soll. Dazu gehören Angebote in der Betreuung und Pflege ebenso wie Angebote für die Bildung, Erziehung, Beratung, Arbeit und Beschäftigung sowie die Möglichkeit, als Gast Gemeinschaft in unseren Einrichtungen zu er­leben.

Wir sind Teil der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel und arbeiten daran mit, die gemeinsame Vision „Gemeinschaft verwirklichen“ in den Bundesländern Brandenburg, Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt lebendig werden zu lassen.

An der Entwicklung dieses Leitbildes waren von Anfang an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung beteiligt - unab­hängig von ihrer Funktion, Konfession und Weltanschauung. Das Leitbild ist als verbindende und gültige Absprache über Werte und Zielvorstellungen innerhalb der Hoffnungs­taler Stiftung Lobetal zu verstehen. Es bildet die Vorgabe für Teilkonzepte in den einzelnen Arbeitsfeldern und Bereichen und gilt gleichermaßen allen Mitarbeitenden als Orientierung.

Das Leitbild ist Grundlage unserer Angebote und unseres Han­delns. Für deren konkrete Ausrichtung und Weiterentwicklung bilden die Strategischen Entwicklungsschwerpunkte der v. Bo­delschwinghschen Stiftungen Bethel eine wichtige Richtschnur.

Wir begegnen uns, den Menschen, welche unsere Angebote nutzen, und unseren Partnern in der Zusammenarbeit auf Au­genhöhe.

Wir sind angehalten, unser Leitbild in Übereinstimmung von Wort und Tat zu bringen. Dabei ermöglicht uns eine kritische Reflexion, mit Umsetzungsproblemen offen umzugehen. Inso­fern stellt das Leitbild nichts Statisches dar. Auch unterliegen unsere Arbeit und unsere Rahmenbedingungen ständiger Veränderung. So werden wir unser Leitbild stetig weiterent­wickeln. Dabei orientieren wir uns immer an grundlegenden christlichen Wertvorstellungen.

Lobetal, im November 2017

Pastorin Friederike Winter, Geschäftsführerin

Martin Wulff, Geschäftsführer

  • Wen wir ansprechen
    {Play}

    Seit ihrem Beginn waren die Einrichtungen und Dienste der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal zu jeder Zeit Orte, an denen Christinnen und Nichtchristinnen gemeinsam leben und arbeiten, Hilfe geben und Hilfe erfahren konnten.

    Das Wirken des Gründers, Friedrich von Bodelschwingh, und unsere Tradition zeugen davon, dass der christliche Glaube sowie die daraus erwachsende Achtung und Wertschätzung jedem Menschen gegenüber tragfähige Fundamente unserer Arbeit waren und sind.
    Das gilt in gleicher Weise für die Tradition der Lazarus-Einrichtungen und Dienste, die auf den Lazarus-Gründer Pfarrer Wilhelm Boegehold zurückgehen und 2012 in die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal eingebracht wurden.

    Aus diesem Grunde fühlen wir uns heute eingebunden in die Gemeinschaft der evangelisch christlichen Träger, den wir durch unsere Mitgliedschaften in mehreren Diakonischen Werken äußeren Ausdruck verleihen.

    Dabei sind wir uns auch bewusst, dass unsere Arbeit immer mitgetragen und mit gestaltet wurde von Frauen und Männern, die nicht den christlichen Glauben, wohl aber den Respekt und die uneingeschränkte Achtung vor dem anderen Menschen geteilt haben bzw. teilen. Sie gehören wesentlich zu unserer Gemeinschaft und sind auch in Zukunft eingeladen, in der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal mit ihren jeweils wichtigen Gaben und Fähigkeiten am gemeinsamen Auftrag mitzuarbeiten und die Arbeit der einzelnen Einrichtungen durch ihr Handeln und Denken weiter zu bereichern.

    So sollen im Blick auf die eigene Tradition und in Besinnung auf die christlichen Wurzeln unseres Dienstes die folgenden Aussagen Leitgedanken sein, die Wesen und Grundlegung der Arbeit in der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal für alle verdeutlichen, die ihr Interesse auf uns richten. Gleichzeitig wollen sie jeden Menschen zum Mitleben und Mitarbeiten in dieser Gemeinschaft einladen, der – ob Christin oder Nichtchristin - den Aufgaben dieser Grundaussagen aus den eigenen Anschauungen heraus folgen kann und will.

  • Wer wir sind
    {Play}

    Die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal ist Trägerin vielfältiger diakonischer Angebote in unterschiedlichsten Lebensbereichen. Das bedeutet, dass Christinnen in ihr das Werk Jesu Christi weiterführen und Liebe weitergeben wollen und so mit Wort und Tat das Evangelium von Jesus Christus allen bezeugen, die in der Hoffnungstaler Stiftung leben, lernen oder arbeiten.

    Wir sind eine Dienstgemeinschaft von Mitarbeitenden, die aus unterschiedlichsten Beweggründen diese Arbeit tun, ob hauptamtlich oder ehrenamtlich, konfessionsgebunden oder konfessionslos. Allen gemein ist die Aufgabe, jedem Menschen innerhalb der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal ein Leben zu ermöglichen, in dem er sich mit seinen Gaben entfalten kann.

    Eine jede soll die Freiräume erhalten, die möglich sind, um ihr Leben und Wirken selbständig und eigenverantwortlich zu gestalten. Dies gilt gleichermaßen für ambulant Betreute, Bewohnerinnen, Patientinnen, Gäste, Beschäftigte in den Werkstätten sowie Mitarbeiterinnen, Schülerinnen und Auszubildende, Kinder, Jugendliche und Seniorinnen. Dazu müssen die erforderlichen Lebensbedingungen menschenwürdig gestaltet werden und einen Raum bieten für Individualität und Gemeinschaft sowie die Begegnung mit Gott.
    Die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal ist auf Grund ihres christlichen Auftrages offen für alle Menschen, die sich mit ihren Anliegen an sie wenden. Wir wollen darauf Antwort geben, indem wir unsere Angebote an den erkennbaren Bedarfen ausrichten und darüber hinaus nach den Ursachen fragen und an deren Veränderung mitwirken.

  • Unser Weg
    {Play}

    Pastor Friedrich von Bodelschwingh machte an verschiedenen Stellen auf Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft aufmerksam und bot zugleich konkrete Hilfen für Menschen in Not an. Dazu gründete er 1905 den „Verein Hoffnungstal für die Obdachlosen der Stadt Berlin“ und richtete „Arbeiterkolonien” zur Resozialisierung der Obdachlosen ein, so auch die Hoffnungstaler Anstalten.

    Für diese ins Abseits geratenen Menschen erschien ihm ein Gelände rund um den Mechesee geeignet: „dass in diesem schönen Tal Menschen dazu kommen können, Gott zu loben”. Die erste Heimstätte erhielt den Namen „Hoffnungstal“, (...) „weil wir die feste Hoffnung haben, dass an Gott und Menschen verzagende und versinkende Menschen aller Stände wieder eine fröhliche Lebenshoffnung fassen werden. Statt Almosen zu empfangen, soll ihnen hier die große Wohltat gewährt werden, selbstverdientes Brot zu essen.” Die zweite Heimstätte erhielt den Namen „Lobetal”. „Sie kamen zusammen in Lobetal, denn dort lobten sie den Herrn“ (Die Bibel: 2. Chronik 20,26.).

    Die beiden Namen „Hoffnungstal” und „Lobetal” sind Orientierung für unsere Arbeit. Ohne Hoffnung kann kein Mensch leben. Viele Hoffnungen werden enttäuscht; lebensspendende Hoffnung wächst insbesondere aus dem Glauben an Jesus Christus. Der Glaube bleibt nicht stumm. Dazu sagte Friedrich von Bodelschwingh: „Jeden Tag ein Klagelied weniger und ein Loblied mehr.” Sein Handeln war dabei von den Vorstellungen und Strukturen seiner Epoche bestimmt.

    Die damaligen Hoffnungstaler Anstalten Lobetal wurden mit eigenem Rechtsträger gegründet, doch waren und blieben sie weitgehend von der inneren Verbindung mit ihrem Gründer und mit Bethel geprägt. Das so begonnene Werk entwickelte sich kontinuierlich in verschiedenen Regionen und unterschiedlichen Arbeitsfeldern weiter.

    Zum 01.01.2011 wurden die Hoffnungstaler Anstalten in eine Stiftung überführt. Die heutige Hoffnungstaler Stiftung Lobetal bildet gemeinsam mit den Stiftungen Nazareth, Bethel und Sareptha den Verbund der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel.

    Der Lazarus-Gründer, Pastor Wilhelm Boegehold, erlebte das für heutige Verhältnisse unvorstellbare Elend bei den Hausbesuchen seiner Gemeindeglieder im Berliner Wedding. Er legte 1865 die Urzelle der späteren Diakoniestiftung Lazarus. Der Name bezieht sich auf die Geschichte vom „armen Lazarus“, die Jesus im Neuen Testament erzählt und damit mahnt, Menschen in Not zu helfen. Boegehold wollte erreichen, dass wenigstens Schwerkranke und Sterbende medizinisch versorgt, seelsorgerlich begleitet und in einer menschenwürdigen Umgebung untergebracht werden.

    Für die Krankenpflege engagierte Boegehold Diakonissen aus Kaiserswerth bei Düsseldorf. Diese Diakonissentradition hat Lazarus geprägt.

    Das Leitwort Boegeholds für sein Wirken – „Niemanden und nichts aufgeben“ – bringt dasselbe Anliegen zum Ausdruck wie Friedrich von Bodelschwingh: „Es geht kein Mensch über diese Erde, den Gott nicht liebt“.

  • So handeln wir heute
    {Play}

    Wir bieten ein breites Spektrum an Einrichtungen und Ge¬schäftsfeldern an. Bei aller Unterschiedlichkeit einen uns für die Gestaltung der täglichen Arbeit die nachfolgenden Grundsätze:

    Würde

    Die Würde jedes Menschen und der Wert des Lebens sind nicht daran gebunden, was die Einzelne kann und leistet, sondern daran, dass jeder Mensch in seiner Einmaligkeit von Gott geschaffen und geliebt ist.
    Deshalb treten wir für die Gleichbehandlung und die gleiche Würde aller Menschen ein, egal welcher Nationalität, Hautfarbe, Weltanschauung, welchen Geschlechts, Alters oder Konstitution sie sind. Wir haben Achtung vor jedem Leben, dem Sterben und dem Tod.

    Verantwortung

    Jeder Mensch soll sich seinen Fähigkeiten entsprechend einbringen. Aus diesem Grunde teilen wir Verantwortung, ermöglichen eigene Entscheidungs- sowie Handlungsspielräume und fördern Eigeninitiative. Wir nehmen übergreifend Verantwortung wahr und haben dabei die weitere Entwicklung jeder einzelnen Person sowie der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal im Blick.
    Gott hat jedem Menschen Gaben zum Wohle seiner selbst und seiner Mitmenschen geschenkt.

    Transparenz

    Wir wollen offen, ehrlich und aufrichtig miteinander umgehen. Um diesem Anspruch zu genügen, wollen wir versuchen, in allen Bereichen unserer Arbeit Pläne, Gedanken und konkrete Vorhaben transparent werden zu lassen.
    Die Botschaft von Jesus Christus ermutigt uns zum Vertrauen auf Gott und seine Liebe – dieses Vertrauen nimmt uns die Angst voreinander.

    Persönlichkeit

    Jeder Mensch ist frei, das eigene Leben so zu gestalten, wie es seinen Wünschen, Vorstellungen und Bedürfnissen entspricht. Die eigene Freiheit auf Entfaltung hat seine Grenzen an der Beschneidung der Rechte Anderer. Wir begleiten und assistieren im ganzheitlichen Sinne dort, wo Unterstützung notwendig und gewünscht ist.
    Christlicher Glaube sieht den Menschen als personale Einheit von Seele, Leib und Geist. Unser Handeln ist auf die ganze Persönlichkeit gerichtet.

    Verständnis

    Wo wir Fehler machen, weisen wir einander darauf hin und versuchen in Zukunft diese Fehler zu vermeiden. Wir sind bereit, Fehler einzugestehen, uns korrigieren zu lassen und uns gegenseitig neue Anfänge zu gewähren. Konflikte scheuen wir nicht, denn wir erleben sie als eine Möglichkeit zur Lösungssuche.
    Christlicher Glaube lehrt uns: Niemand ist fehler- und schuldlos.

    Begegnung

    Jeder Mensch ist auf andere Menschen und die Kommunikation mit ihnen angewiesen. Darum suchen wir die Begegnung untereinander, mit anderen Menschen und Institutionen und fördern den Austausch von Informationen und Erfahrungen. In den Begegnungen lassen wir gegenseitige Wertschätzung, Vertrauen und Verlässlichkeit einander spüren. Wir lassen die Vielfalt unterschiedlicher Meinungen gelten und bemühen uns in wichtigen Fragen um Konsens. „Der Mensch wird am Du zum Ich“ (M. Buber).

    Koordination

    In der Betreuung und Begleitung von Menschen, die ihr Leben selbstbestimmt gestalten und entfalten wollen, fragen wir nach allem, wessen der Einzelne bedarf. Wir suchen den „roten Faden“ und streben nach einheitlicher, konzeptioneller und zielgerichteter Planung zum Wohl der Menschen. Dies schließt eine Verpflichtung mit ein, uns in allen den einzelnen Menschen direkt oder indirekt betreffenden Bereichen abzustimmen und zu informieren.

    Perspektiven

    Wir informieren uns über neue (wissenschaftliche) Erkenntnisse und nutzen diese Impulse, um unsere Arbeit zu reflektieren und zu verbessern. Aus diesem Grunde ermöglichen wir regelmäßige Fort- und Weiterbildungen. Zudem gehen wir verantwortlich mit den vorhandenen Ressourcen um, dies schließt ökologische Aspekte mit ein.
    Der christliche Glaube lehrt uns, die Schöpfung zu bewahren.

    Für die Erfüllung und Gestaltung dieser Aufgaben bietet sich ein weites Feld der Möglichkeiten, wir erleben aber auch von außen gesetzte Grenzen und Grenzen des eigenen Vermögens. 

    Oft nehmen wir Diskrepanzen zwischen unseren Zielen und dem Alltag wahr. Wir alle sind Menschen mit Stärken und Schwächen. Aber wir tun alles dafür, dass wir uns diesen verbindlichen Zielen annähern. Dazu gehört auch, dass wir ihre Realisierung überprüfen.

    Gedanken darüber, wie wir die Ziele und Aufgaben mehr und mehr umsetzen und deren Realisierung überprüfen können. 

    Wir streben eine höchstmögliche Qualität in allen unseren Dienstleistungen und Geschäftsfeldern an. Dabei wollen wir uns zuerst leiten lassen, von der Frage, was dem einzelnen Menschen dient, und uns als Anwalt der Personen verstehen, die eigene Rechte nicht einfordern können. Gleichzeitig wollen wir uns mit Engagement dafür einsetzen, die äußeren und inneren Bedingungen zu verbessern. 

    Lobetal, im November 2017