Lichtgrenze - ein einmaliges Erlebnis

Gruppenfoto mit den Ballonpaten aus der Hoffnungstaler Stiftung sowie weiteren Bethel-Einrichtungen vor der Lichtgrenze in der Bernauer Straße

Vom Dach des Lazarus Hauses bot sich eine beeindruckendes Panorama bis zum Nordbahnhof.

Schwester Jutta (l.)mit Daniela Günther, Hauswirtschaftsmitarbeiterin im Lazarus Haus Berlin (Mitte), und der langjährigen Lazarus-Freundin Christa Schulze


„Eine großartige Idee und ein unvergessliches Erlebnis!“ Dies war die einhellige Meinung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus verschiedenen Einrichtungen der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal (HStL) an der Aktion Lichtgrenze in Erinnerung an den Mauerfall vor 25 Jahren.

Rund 25 Mitarbeitende der Stiftung sowie aus anderen Einrichtungen Bethels in Berlin wie dem Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge und der Gemeindepsychiatrischer Verbund und Altenhilfe gGmbH hatten sich als Ballonpaten zur Verfügung gestellt. Dazu gehörten der Geschäftsführer der HStL, Martin Wulff, der Leiter Kommunikation, Pastor Reinhard Stawinski, und als Koordinator der Gruppe der Leiter des Lazarus Hauses Berlin, Nico Böhme.

Die Gruppe traf sich bereits einige Stunden vor Beginn der Aktion im Lazarus Haus Berlin in der Bernauer Straße, wo die Menschen bereits in Scharen an den beleuchteten Ballons entlangdefilierten. Die Ballonpaten schrieben ihre Wünsche und Gedanken auf Kärtchen und befestigten diese an ihrem Ballon. Im Hof des Lazarus Hauses erklang Posaunenspiel des Lazarus-Posaunenchores unter der Leitung von Theo Dirks, der sich mit einem musikalischen Programm in diese denkwürdige Veranstaltung einbrachte. Überaus großer Andrang herrschte im Mauercafé, in dem sich zahlreiche Besucherinnen und Besucher wie auch die Journalisten der aus aller Welt angereisten Rundfunk- und TV-Teams zum Aufwärmen einfanden. Es bestand die Möglichkeit, im Lazarus Haus Einblick in die traditionsreiche Seniorenpflegeeinrichtung zu gewinnen. Viele nutzten das Angebot, vom Dachrundgang Ausblick über Berlin und das sich weit unten abspielende bunte und friedliche Treiben entlang der einmaligen Lichtillumination zu nehmen. Kurz nach 19.00 Uhr stiegen dann, unter dem Jubel der Menschen die Ballons einer nach dem anderen in einer langen Kette den nächtlichen Himmel über der Hauptstadt. 

Wir haben einige Gedanken und Erinnerungen von Ballonpaten eingefangen und aufgeschrieben:

Schwester Jutta Lenk, Lazarus-Diakonisse:

Ich habe die Mauer vom ersten Tag an miterlebt. Plötzlich waren wir hier abgeschnitten, und in dieser früher sehr belebten Gegend war nichts mehr los. Im Lazarus-Krankenhaus versorgten wir Flüchtlinge, die sich beim Sprung aus den Häusern oder über die Mauer verletzt hatten. In den folgenden 28 Jahren schauten wir tagtäglich auf die Mauer und hatten die deutsche Teilung direkt vor Augen.

Dann kam völlig unerwartet der 9. November 1989. Ich war schon zeitig ins Bett gegangen, weil ich am nächsten Tag früh wieder zur Arbeit nach Moabit musste. So bekam ich gar nicht mit, was sich in der Nacht abspielte. In den ersten Tagen nach der Maueröffnung strömten die Menschenmassen am Lazarus Haus vorbei. Wir richteten dann gleich in der ehemaligen Rettungsstelle einen Imbiss ein, den wir umschichtig betreuten. Da gab es für die großen und kleinen Besucher, Suppe, belegte Brote und Getränke.

Norbert Kruschel, Leiter des Christlichen Seniorenheimes „Victoria Luise“ in Zehdenick:

Ich bin in Spandau geboren und aufgewachsen. Als Diakonenschüler im Evangelischen Johannesstift befreundete ich mich mit einem angehenden Diakon aus Weißensee. Ich besuchte ihn öfters mit 25-DM-Umtausch und den üblichen Formalitäten. Er organisierte Fahrradtouren, die uns verbotenerweise auch über die Stadtgrenzen in Richtung Strausberg führten. Beim Abschied hieß es dann oft: „Du müsstest mich auch mal besuchen kommen!“ Gleich nach dem Mauerfall war er dann bei mir! Wir haben bis heute Kontakt. Zwei Tage nach dem Mauerfall war ich damals mit Freunden am Brandenburger Tor. Ich stand in der Menschenmenge, sah die TV-Teams aus der ganzen Welt. Ich spürte: In diesem Moment richten sich die Augen der ganzen Welt auf uns! Das war gewaltig und sehr bewegend.

Christine Sczesny, Küchenleiterin im Lazarus Haus Berlin:  

Wir saßen am 9. November 1989 abends in einer Wilmersdorfer Kneipe. Plötzlich meinte die Kellnerin zu uns: „Die Mauer soll geöffnet worden sein – jetzt machen sie die Aprilscherze schon im November!“ Dann wurden die Meldungen aber immer intensiver, der Fernseher wurde angemacht, und dann sahen wir die unfassbaren Bilder. In der Gaststätte brach riesiger Jubel aus. Zu Hause versuchte ich gleich, Freunde in Ostberlin anzurufen. Aber die Leitungen waren natürlich völlig überlastet…

Klaus Sczesny, Verpflegungsmanagement der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal:

Wir waren dabei, als Walter Momper am Potsdamer Platz die Mauer öffnete. Ich dachte: „Hier wird Geschichte gemacht – und wir sind dabei!“ Wir sind allen dankbar, die damals auf die Straßen gegangen sind und die dafür gesorgt haben, dass die Gewehre nicht zum Einsatz kamen. Sie haben viel Mut bewiesen. Für mich sind das die Helden!“

 

Hoffnungstaler Stiftung Lobetal
Pressestelle
Lobetal, 10.11.2014