Bodelschwinghs Werk inspiriert Diakonie bis heute

Im Gespräch (v.l.): Martin Wulff, Dr. Rainer Norden, Ulrich Pohl, Dr. Manfred Stolpe, Dr. Ludwig Sebastian Meyer-Stork

Während der Tagung im Festsaal des KEH


Friedrich von Bodelschwingh (1831-1910) gehört zu den großen Sozialreformern mit gesellschaftlichem Gestaltungswillen. Sein Werk inspiriert diakonisches Engagement bis heute. Dies wurde auf einer Tagung anlässlich seines 100. Todestages im Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH) am 25. November unterstrichen. Veranstalter waren die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel (vBSB), das KEH, die Diakoniestiftung Lazarus und die Hoffnungstaler Anstalten Lobetal (HtA). Herzlich begrüßten der Vorsitzende Geschäftsführer des KEH und Kaufmännische Vorstand der HtA, Dr. Rainer Norden, sowie Martin Wulff, Lazarus-Vorstand und Fachbereichsleiter Behindertenhilfe der HtA, die 120 Teilnehmenden, darunter die Mitglieder des Verwaltungsrates der vBSB Dr. Ludwig Sebastian Meyer-Stork (Dresden) und Bürgermeister Hubert Handke (Bernau).

Pastor Ulrich Pohl, Vorsitzender des Vorstandes der vBSB, zeichnete im Eröffnungsreferat den Lebensweg Bodelschwinghs vom jungen Theologen zum sozial engagierten Auslandspastor in Paris bis hin zum Leiter der Anstalt für Epileptische Bethel-Bielefeld und der Diakonissenanstalt nach. Mit seiner Tatkraft, seiner Aufgeschlossenheit für innovative Ideen und seiner tiefen Frömmigkeit habe er Bethel zu dem gemacht, was es bis heute ist: ein großes Angebot der Hilfe und Unterstützung für behinderte, kranke und benachteiligte Menschen.

„Neue große Nöte bedürfen neuer, mutiger Gedanken“, war sich Bodelschwingh sicher. Wichtige Anliegen, die bis heute für Bethel prägend sind, waren ihm Bildungsmöglichkeiten für die ganze Bevölkerung, die Nutzung moderner Technik und die Entwicklung eines gut organisierten Spendenwesens. Von Theodor Heuss stammt daher der Satz, Bodelschwingh sei der „genialste Bettler Deutschlands“ gewesen. Als preußischer Landtagsabgeordneter nahm er Einfluss auf die Beförderung sozialer Anliegen, insbesondere setzte er sich für obdachlose Menschen ein. Unter dem Motto „Arbeit statt Almosen“ verfolgte er konsequent ein Konzept des „Förderns und Forderns“. Dieses wurde zunächst in der Arbeiterkolonie Wilhelmsdorf und ab 1905 in den Arbeiterkolonien Hoffnungstal, Lobetal und Gnadental vor den Toren Berlins erfolgreich praktiziert und ermöglichte einer großen Zahl von Betroffenen die Rückkehr in die Gesellschaft.

Das Bodelschwinghsche Erbe habe auch für Kirchen und Diakonie im Osten Deutschlands prägend gewirkt, betonte Dr. Manfred Stolpe, Ministerpräsident a. D. und Bundesminister a. D., in seinem Referat. Das christliche Engagement sei jedoch durch die SED und die Staatsorgane angefeindet worden. Als 1952 der Aufbau des Sozialismus proklamiert wurde, hätten sich die Konflikte zwischen Staat und Kirche zugespitzt. Staat und Partei trachteten danach, die Diakonie zu beseitigen. Im Mai 1953 wurde Lobetal besetzt, dem damaligen Anstaltsleiter Pastor Paul Braune gelang es jedoch, die Schließung zu verhindern. Später sei es zu einem pragmatischeren Kurs gekommen. „Der Staat betrachtete die diakonische Arbeit als Entlastung des Gesundheits- und Sozialwesens der DDR“, führte Stolpe aus. Nach dem Mauerbau hätten Kirche und Diakonie wie kein anderer gesellschaftlicher Bereich die Zusammengehörigkeit der Deutschen praktiziert. 1978 brachte ein neuer Kurs Kirche und Diakonie Anerkennung und Erleichterungen u. a. bei eigenen Ausbildungsmöglichkeiten und bei Bauvorhaben. Stolpe resümierte: „Das Leben in der DDR war für Kirche und ihre Diakonie keine verlorene Zeit.“ Es habe sich erwiesen, dass Kirche und Diakonie eng zusammengehören und der „lange Atem der Glaubenskraft“ durchträgt. Stolpe würdigte insbesondere die diakonische Arbeit der von Bodelschwingh gegründeten Hoffnungstaler Anstalten Lobetal und begrüßte, dass die dortige Arbeit unter dem Dach einer Stiftung fortgeführt wird. Er werde gern dem entstehenden Förderkreis beitreten.

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