Lobetal - eine gute Adresse: unser Leitbild

Die Hoffnungstaler Anstalten Lobetal haben seit Jahresbeginn 2011 eine neue Rechtsform: die "Hoffnungstaler Stiftung Lobetal".

Wandgestaltung im Haus Esther


V o r w o r t

 

Das Leitbild will Orientierung für unsere tägliche Arbeit in allen Einrichtungen und Bereichen sein – so verschieden sie auch sein mag. Wir alle sind verbunden durch die Aufgabe der Hoffnungstaler Anstalten Lobetal (jetzt: Hoffnungstaler Stiftung Lobetal), „im Auftrag Jesu Christi tätige Nächstenliebe zu üben an Menschen, deren Persönlichkeit geachtet, deren Entwicklung gefördert und deren durch Alter, Krankheit oder Behinderung erschwerte Lebenssituation mitgetragen und soweit als möglich normalisiert werden soll“ (Satzung des Vereins Hoffnungstal e.V. vom 29. 11. 1990).

Die Formulierung des Leitbildes als „Unternehmensphilosophie“ bildete in den Jahren 2000/2001 ein wichtiges und zentrales Anliegen im Rahmen des Qualitätsmanagementprozesses. Ausgehend von dem durch eine Arbeitsgruppe vorgestellten Grundsatzpapier haben wir eine intensive und teilweise kontroverse Diskussion in weiten Bereichen der Mitarbeiterschaft geführt.

Die von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterbreiteten Vorschläge wurden von der Arbeitsgruppe analysiert und aufbereitet, um sie in eine Form zu bringen, die möglichst vielen Äußerungen gerecht wird und viele Menschen motivierend anspricht. Hierbei ging es auch darum, deutlich werden zu lassen, dass die diakonische Arbeit der Hoffnungstaler Anstalten Lobetal mitgetragen wird von fachlich qualifizierten und engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, und zwar auch denen, die von ihrer Herkunft und Erziehung her nicht christlich orientiert sind. Das Leitbild ist als verbindende und gültige Absprache über Werte und Zielvorstellungen aller Menschen innerhalb der Hoffnungstaler Anstalten Lobetal zu verstehen. Es bildet die Vorgabe für Teilkonzepte in den einzelnen Arbeitsfeldern und Bereichen und gilt gleichermaßen für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Orientierung.

Das Leitbild ist Grundlage des Aufnahmevertrages bzw. des Dienstvertrages.

Wir sind angehalten, unser Leitbild in Übereinstimmung von Wort und Tat zu bringen. Dabei ermöglicht uns eine kritische Reflexion, mit Umsetzungsproblemen offen umzugehen. Insofern stellt das Leitbild nichts Statisches dar. Auch unterliegen unsere Arbeit und unsere Rahmenbedingungen ständiger Veränderung. So wird sich auch unser Leitbild weiterentwickeln, dabei aber immer orientiert sein an den grundlegenden christlichen Wertvorstellungen.

Lobetal, im Juli 2006

Pastor Dr. J. Feldmann                                       Dr. Rainer Norden
Vorsitzender des Vorstandes                              Kaufmännischer Vorstand
und Anstaltsleiter

Wen wir ansprechen

Seit ihrem Beginn waren die Einrichtungen und Dienste der Hoffnungstaler Anstalten zu jeder Zeit Orte, an denen Christen und Nichtchristen gemeinsam leben und arbeiten, Hilfe geben und Hilfe erfahren konnten. Das Wirken des Gründers, Friedrich von Bodelschwingh, und unsere Tradition zeugen davon, dass der christliche Glaube sowie die daraus erwachsende Achtung und Wertschätzung jedem Menschen gegenüber tragfähige Fundamente unserer Arbeit waren und sind. Aus diesem Grunde fühlen wir uns heute eingebunden in die Gemeinschaft der evangelisch christlichen Träger, dem wir durch unsere Mitgliedschaft im Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg e.V. äußeren Ausdruck verleihen.

Dabei sind wir uns auch bewußt, dass unsere Arbeit immer mitgetragen und mitgestaltet wurde von Frauen und Männern, die nicht den christlichen Glauben, wohl aber den Respekt und die uneingeschränkte Achtung vor dem anderen Menschen geteilt haben bzw. teilen. Sie gehören wesentlich zu unserer Gemeinschaft und sind auch in Zukunft eingeladen, in den Hoffnungstaler Anstalten mit ihren jeweils wichtigen Gaben und Fähigkeiten am gemeinsamen Auftrag mitzuarbeiten und die Arbeit der einzelnen Einrichtungen durch ihr Handeln und Denken weiter zu bereichern.

So sollen im Blick auf die eigene Tradition und in Besinnung auf die christlichen Wurzeln unseres Dienstes die folgenden Aussagen Leitgedanken sein, die Wesen und Grundlegung der Arbeit in den Hoffnungstaler Anstalten für jeden verdeutlichen, der sein Interesse auf uns richtet. Gleichzeitig wollen sie jeden zum Mitleben und Mitarbeiten in dieser Gemeinschaft einladen, der - ob Christ oder Nichtchrist - den Aufgaben dieser Grundaussagen aus den eigenen Anschauungen heraus folgen kann und will.

Wer wir sind

Die Hoffnungstaler Anstalten sind eine diakonische Einrichtung. Das bedeutet, dass Christen in ihnen das Werk Jesu Christi weiterführen und Liebe weitergeben wollen und so mit Wort und Tat das Evangelium von Jesus Christus allen, die in den Hoffnungstaler Anstalten leben, lernen oder arbeiten, bezeugen. Wir sind eine Dienstgemeinschaft von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die aus unterschiedlichsten Beweggründen diese Arbeit tun, ob hauptamtlich oder ehrenamtlich, konfessionsgebunden oder konfessionslos. Allen gemein ist die Aufgabe, jedem Menschen innerhalb der Hoffnungstaler Anstalten ein Leben zu ermöglichen, in dem er sich mit seinen Gaben entfalten kann. Jede und jeder soll die Freiräume erhalten, die nötig sind, um ihr bzw. sein Leben und Wirken so weit wie möglich selbständig und eigenverantwortlich zu gestalten. Dies gilt gleichermaßen für Bewohner/innen, Patient/innen, Mitarbeiter/innen, Student/innen und Kinder und Jugendliche. Dazu müssen die erforderlichen Lebensbedingungen menschenwürdig gestaltet werden und einen Raum bieten für Individualität und Gemeinschaft sowie die Begegnung mit Gott. Die Hoffnungstaler Anstalten wenden sich auf Grund ihres christlichen Auftrages in Besonderheit den Menschen mit sozialer, körperlicher oder seelischer Bedürftigkeit zu. Sie sind bemüht, die Ursachen zu ermitteln und gemeinsam nach Lösungswegen zu suchen, um so die persönliche Lebensqualität zu stärken.

Unsere Herkunft

1905 gründete Pastor Friedrich von Bodelschwingh aus Bethel bei Bielefeld den „Verein Hoffnungstal für die Obdachlosen der Stadt Berlin”. Für diese ins Abseits geratenen Menschen erschien ihm ein Gelände rund um den Mechesee geeignet: „dass in diesem schönen Tal Menschen dazu kommen können, Gott zu loben”. Die erste Heimstätte erhielt den Namen „Hoffnungstal“, (...) „weil wir die feste Hoffnung haben, dass an Gott und Menschen verzagende und versinkende Menschen aller Stände wieder eine fröhliche Lebenshoffnung fassen werden. Statt Almosen zu empfangen, soll ihnen hier die große Wohltat gewährt werden, selbstverdientes Brot zu essen.” Die zweite Heimstätte erhielt den Namen „Lobetal”. „Sie kamen zusammen in Lobetal, denn dort lobten sie den Herrn“ (Die Bibel: 2. Chronik 20,26.). Die beiden Namen „Hoffnungstal” und „Lobetal” sind Orientierung für unsere Arbeit. Ohne Hoffnung kann kein Mensch leben. Viele Hoffnungen werden enttäuscht; lebensspendende Hoffnung wächst insbesondere aus dem Glauben an Jesus Christus. Der Glaube bleibt nicht stumm. Dazu sagte Friedrich von Bodelschwingh: „Jeden Tag ein Klagelied weniger und ein Loblied mehr.” Unser Weg Die Hoffnungstaler Anstalten wurden mit eigenem Rechtsträger gegründet, doch sind sie weitgehend von der inneren Verbindung mit Bethel und ihrem Gründer geprägt. Friedrich von Bodelschwingh machte auf Ungerechtigkeiten der Gesellschaft aufmerksam und bot Hilfe für Menschen in Not an. Dazu richtete er „Arbeiterkolonien” zur Resozialisierung der Obdachlosen ein, so auch die Hoffnungstaler Anstalten. Sein Handeln war dabei von den Vorstellungen und Strukturen seiner Epoche bestimmt und begrenzt. Um Berlin herum entstand ein Ring von Heimstätten, um Obdachlose aufzufangen und ihnen zum Einstieg ins Arbeitsleben zu verhelfen: 1914 Dreibrück, 1925 Reichenwalde, 1932 die „Herberge zur Heimat“ in Eberswalde und 1935 Blütenberg. Für Frauen wurde mit der selben Zielsetzung 1909 das Heim „Gottesschutz” mit eigener Rechtsträgerschaft eingerichtet. Diese ging 1962 an die Hoffnungstaler Anstalten über. So wurde diese Arbeit bis zum Kriegsende 1945 durchgeführt.

Was wir wollen

Die Hoffnungstaler Anstalten bieten ein breites Spektrum an Einrichtungen und Geschäftsfeldern an

  • Behindertenhilfe (Wohnstätten für Menschen mit geistiger Behinderung und Epilepsie, mit Pflegebedarfen, mit herausforderndem Verhalten, stationär betreute Wohngruppen, Ambulante Lebens- und Wohnbegleitung und als tagesstrukturierendes Angebot die Freizeitwerke)
  • Hoffnungstaler Werkstätten gGmbH (anerkannte Werkstatt für Behinderte)
  • Altenhilfe (Seniorenwohn- und -pflegeeinrichtungen)
  • Epilepsieklinik und –ambulanz
  • Suchthilfe (Selbsthilfetreff, Beratungsstelle, Sozialtherapeutische Einrichtung für Abhängigkeitskranke, Einrichtung für chronisch mehrfachbeeinträchtigte Abhängigkeitskranke, Ambulante Lebens- und Wohnbegleitung sowie Sozialpädagogisch betreute Wohngemeinschaften für Abhängigkeitskranke)
  • Kindertagesstätten
  • Kinder- und Jugendhilfe (Kontakt- und Beratungsstelle, Hilfen zur Erziehung ambulant und stationär [Einrichtung für drogenkonsumierende Kinder und Jugendliche])
  • Diakonisches Bildungszentrum Lobetal (Berufliche Schule für Sozialwesen, Altenpflegeschule, Agentur Fort- und Weiterbildung)
  • Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit
  • Betriebe (Landwirtschaft, Restaurant, Tagungsbetrieb, Minimarkt)

Würde

Die Würde jedes Menschen und der Wert des Lebens sind nicht daran gebunden, was der Einzelne kann und leistet, sondern daran, dass jeder Mensch in seiner Einmaligkeit von Gott geschaffen und geliebt ist. Deshalb treten wir für die Gleichbehandlung und die gleiche Würde aller Menschen ein, egal welcher Nationalität, Hautfarbe, Weltanschauung, welchen Geschlechts, Alters oder Konstitution sie sind. Wir haben Achtung vor jedem Leben, dem Sterben und dem Tod.

Verantwortung

Jeder Mensch soll sich seinen Fähigkeiten entsprechend einbringen. Aus diesem Grunde teilen wir Verantwortung, ermöglichen eigene Entscheidungs- sowie Handlungsspielräume und fördern Eigeninitiative. Wir nehmen übergreifend Verantwortung wahr und haben dabei die weitere Entwicklung jeder einzelnen Person sowie der Hoffnungstaler Anstalten im Blick. Gott hat jedem Menschen Gaben zum Wohle seiner selbst und seiner Mitmenschen geschenkt.

Transparenz

Wir wollen offen, ehrlich und aufrichtig miteinander umgehen. Um diesem Anspruch zu genügen, wollen wir versuchen, in allen Bereichen unserer Arbeit Pläne, Gedanken und konkrete Vorhaben transparent werden zu lassen.Die Botschaft von Jesus Christus ermutigt uns zum Vertrauen auf Gott und seine Liebe - dieses Vertrauen nimmt uns die Angst voreinander.

Persönlichkeit

Jeder Mensch ist frei, das eigene Leben so zu gestalten, wie es seinen Wünschen, Vorstellungen und Bedürfnissen entspricht. Die eigene Freiheit auf Entfaltung hat seine Grenzen an der Beschneidung der Rechte Anderer.Wir begleiten und assistieren im ganzheitlichen Sinne dort, wo Unter-stützung notwendig und gewünscht ist.Christlicher Glaube sieht den Menschen als personale Einheit von Seele, Leib und Geist. Unser Handeln ist auf die ganze Persönlichkeit gerichtet.

Verständnis

Wo wir Fehler machen, weisen wir einander darauf hin und versuchen in Zukunft diese Fehler zu vermeiden. Wir sind bereit, Fehler einzugestehen, uns korrigieren zu lassen und uns gegenseitig neue Anfänge zu gewähren.Konflikte scheuen wir nicht, denn wir erleben sie als eine Möglichkeit zur Lösungssuche.Christlicher Glaube lehrt uns: Niemand ist fehler- und schuldlos.

Begegnung

Jeder Mensch ist auf andere Menschen und die Kommunikation mit ihnen angewiesen. Darum suchen wir die Begegnung untereinander, mit anderen Menschen und Institutionen und fördern den Austausch von Informationen und Erfahrungen. In den Begegnungen lassen wir gegenseitige Wertschätzung, Vertrauen und Verlässlich-keit einander spüren. Wir lassen die Vielfalt unterschiedlicher Meinungen gelten und bemühen uns in wichtigen Fragen um Konsens. „Der Mensch wird am Du zum Ich“ (M. Buber).

Koordination

In der Betreuung und Begleitung von Menschen, die ihr Leben selbstbestimmt gestalten und entfalten wollen, fragen wir nach allem, was der Einzelne bedarf.Wir suchen den „roten Faden“ und streben nach einheitlicher, konzeptioneller und zielgerichteter Planung zum Wohl der Menschen. Dies schließt eine Verpflichtung mit ein, uns in allen den einzelnen Menschen direkt oder indirekt betreffenden Bereichen abzustimmen und zu informieren.

Perspektiven

Wir informieren uns über neue (wissenschaftliche) Erkenntnisse und nutzen diese Impulse, um unsere Arbeit zu reflektieren und zu verbessern. Aus diesem Grunde ermöglichen wir regelmäßige Fort- und Weiterbildungen. Zudem gehen wir verantwortlich mit den vorhandenen Ressourcen um, dies schließt ökologische Aspekte mit ein.Der christliche Glaube lehrt uns, die Schöpfung zu bewahren.

Für die Erfüllung und Gestaltung dieser Aufgaben bietet sich ein weites Feld der Möglichkeiten, wir erleben aber auch von außen gesetzte Grenzen und Grenzen des eigenen Vermögens.

Wir wissen, dass wir die genannten Ziele nicht gleichermaßen umsetzen können. Oft erleben wir Diskrepanzen zwischen unseren Zielen und dem Alltag. Wir alle sind Menschen mit unseren jeweiligen Stärken und Schwächen. Aber wir tun alles dafür, dass wir uns diesen Zielen annähern. Unser tägliches Leben und Arbeiten ist ein Streben nach der Verwirklichung - es ist für uns Verpflichtung und Auftrag zugleich! Dabei machen wir uns Gedanken darüber, wie wir die Ziele und Aufgaben mehr und mehr umsetzen und deren Realisierung überprüfen können.

Wir streben eine höchstmögliche Qualität für die Arbeit in den Hoffnungstaler Anstalten in allen unseren Dienstleistungen und Geschäftsfeldern an, die unter den uns vorgegebenen Rahmenbedingungen zu leisten sind. Dabei wollen wir uns zuerst leiten lassen, von der Frage, was dem einzelnen Menschen dient, und uns als Anwalt der Personen verstehen, die eigene Rechte nicht einfordern können. Wir merken aber, dass wir mit unserem Verständnis oft auf Barrieren treffen, wo finanzielle Aspekte vordergründig sind. Gleichzeitig wollen wir uns mit Engagement dafür einsetzen, die äußeren und inneren Bedingungen zu verbessern.

Die Gedanken des Leitbildes konkretisieren wir auf unsere verschiedenen Arbeits- und Beziehungsfelder.

Kontakt und Information

Öffentlichkeitsarbeit / Kommunikation

Tel.: 03338-66-277
Fax: 03338-66-278