Luci, 17 Jahre
Krach zu Hause, mittlerweile die zehnte Jugendhilfeeinrichtung, 32 mal innerhalb des ersten Jahres aus dem Wendepunkt abgehauen – immer wieder gekommen, Türen geknallt, Teller geschmissen, geschrien und diskutiert, diskutiert, diskutiert.
Lange, auch ruhige Gespräche mit der Bezugbetreuerin, mit den zwei Ziegen stundenlang spazieren gegangen, geklettert, in der freien Natur geschlafen, irgendwie doch gerne zur internen Schule gegangen, die Wendepunkt-Fussballmannschaft aufs Feld geführt…
Lebt heute mit ihrem Freund in einer Wohnung in Berlin-Lichtenberg, hat eine Ausbildung angefangen und schreibt immer mal wieder einen Brief an die Betreuer und Bewohner des Wendepunkts. „Ja, es geht mir endlich gut.“
Nein Luci, DICH vergessen wir nie!
Pia, 15 Jahre
Mit Morgenmantel und Zigarette um 21:35 vor dem Haus stehend. „Lasst mich doch in Ruhe, ich gehe ins Bett wann ich will…!“
Nach einem Jahr Mittelschul-Abschluss in Bernau mit 1,8 gemacht, hat immer Recht. „Wendepunkt ist voll XXXXX (nicht wiedergebbar)“. Aber irgendwie habe ich die da und das wohl gebraucht, meine Eltern ganz sicher auch.
„Benni ist mir ein Freund geworden, bitte kümmert euch um ihn!“
Machen wir, liebe Pia. Alles Gute, wir haben viel von und mit Dir gelernt.
Leon, 16 Jahre
Skateboard mitgebracht, Fahrrad im Wendepunkt gebaut, Zimmer selbst (in Grün) gestrichen, immer ein Lachen und einen Spaß auf den Lippen.
Fenster zu Bruch, Beschimpfungen, immer wieder der Versuch Betreuer zu schlagen, Ausrasten.
„Wenn ich ausraste kann ich nicht anders. Immer wenn ich an XXX denke, wenn ich XXX sehe, dann wird das passieren. Ich möchte bleiben, aber ich kann es nicht ändern. Ich habe mich doch in den drei Monaten so gut entwickelt…“
Lieber Leon, das stimmt – aber es geht nicht weiter. Sicher machen auch wir Fehler, aber es macht keinen Sinn gemeinsam zu gehen, da Du Dich bei uns durch die gezielten Aggressionen immer tiefer reinreitest. Du musst anderswo neu starten.
Nicht jeder Ausgang ist gut. Wir wollen ständig besser werden, aber unglückliche Verläufe werden neuerlich vorkommen. Auf Jugendliche einlassen werden wir uns trotzdem immer wieder.
Michael, 19 Jahre
„Ich bin dankbar, jetzt diese Chance zu erhalten. Früher habe ich das nicht erkannt“.
Michael absolvierte das berufsvorbereitende Jahr, lebt jetzt im Trainingswohnen – in eigener Wohnung in seiner Heimatstadt, wird im Berufsbildungswerk zum Zimmermann ausgebildet.
„Ich muss ja morgen wieder ran, und da muss ich ausgeschlafen sein – sonst klappt das ja nicht. Deshalb muss ich um 21 Uhr schlafen…“
Ja Michael, aber am Wochenende gehen wir auf ein Konzert. Leistung ist wichtig, leben noch wichtiger!
Clemens, 20 Jahre
„Ich kann das alles jetzt alleine. Mit Drogen komme ich heute nicht mehr in Verbindung, das hat mich mein Rückfall gelehrt. Ja, ich weiss, dass ich mir weniger erlauben kann als andere, aber ich vermisse nichts. Wendepunkt war in den zwei Jahren irgendwann mein Zuhause, aber jetzt ist es Zeit zurück zu gehen und auch für meine Mutter wieder da zu sein“.
„Andere brauchen die Hilfe, die Ihr mir anbietet, jetzt dringender!“
Clemens, Du denkst immer an alle und in Zeiten der Finanzkrise auch noch an die Volkswirtschaft. Pass auf Dich auf – und melde Dich wenn Du doch Hilfe brauchst. Aber es stimmt, Du kannst es alleine schaffen – musst aber nicht!
Joachim Rebele
Leiter Wendepunkt
Jugendhilfeeinrichtung "Wendepunkt"
Dorfstr. 31
16321 Rüdnitz
Hans Klusch
Therapeutische Leitung
Jugendhilfeeinrichtung "Wendepunkt"
Dorfstr. 31
16321 Rüdnitz